Auf dem Weg zum Finale

10. September 2011

Kalifornien Teil 2

Der Besuch in den Redwoods war schon beeindruckend. Eine gute Entscheidung im Elk Prärie State Park einen Tag auszusetzen und ein wenig durch den Wald zu wandern. Am nächsten Tag ging es dann aber weiter. Elks hatte ich bis dahin noch nicht gesehen, auf der Strecke direkt am Highway wartete dann aber gleich eine ganze Herde auf die Touristen.

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Leider ereignete sich zeitgleich auch meine erste Panne: Der vordere Gepäckträger brach. Zum Glück an einer Stelle, an der man mit ein paar Kabelbindern das Problem schnell umgehen konnte.

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Langsam näherte ich mich wieder der Küste. Das Wetter war nun immer öfters getrübt von Nebel. Aber, Sonne habe ich nun eigentlich auch genug gesehen. Im Nebel sieht die Küste gleich noch mal spannender aus, auch wenn Fernblicke leider nur selten sich ergeben.

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Schon bald verließ die Straße aber auch schon wieder die Küste und führte durch Farmland zur schönen kleinen Stand Fermdale. Hier hielt ich erst einmal für meine Lunchpause. Eine Einheimische schickte mich zu dem “Local Hangout” des Ortes. Einem gemütlichen Pub oder Restaurant (das weiß man hier nie so genau) in dem die Einheimischen zum Futtern und Verweilen treffen. – Einmal mehr ein klasse Tipp!

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Übers Farmland ging es danach weiter zurück zum Highway und in den Redwoods. Der Abend im Burlington State Park war wohl der mit Abstands wärmste. Obwohl der Zeltplatz mitten in den dichten Redwoods lag, war es richtig sommerlich warm, in der Nacht kühlte es auf die gewohnten kühlen und nasskalten Grade ab um dann am nächsten Tag auf über 35 Grad anzusteigen

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Das bomben Wetter passte super zum Programm. Ein holländischer Radler und ich beschlossen die kommenden Etappen zu kombinieren. So konstruierten wir uns wahrlich eine Königsetappe von 85 Meilen, die letzten Endes knapp die 90 erreichten. Zu einer Königsetappe gehört aber nicht nur Strecke, viel zu viel Sonne sondern auch mal endlos scheinende, der höchste Punkt der Pacific Route und genussreiche, aber dann doch viel zu kurze Abfahrten.

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Für die Streckenverpflegung deckte ich mich an einem Supermarkt mit zwei dicken Sandwiches ein und nahm den ein oder anderen Espresso und Kaffee unterwegs gerne entgegen. Insgesamt dauerte der Spaß 10,5 Stunden, wobei davon 8,5 reine Fahrzeit waren und letzteres war wohl die längste Zeit im Sattel überhaupt. Außerdem brauchte ich unterwegs ohne den Kaffee 5 Liter Flüssigkeit, 3 Kuchen, 3 Riegel, 2 Nektarinen, 1 Milkey Way und die besagten 2 Sandwiches. Frühstück und Abendessen gab es natürlich auch.

Nach der geschafften Höhenmetern begrüßte mich die Küste in dichtem Dunst und sorgte für eine gehörige Abkühlung.

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Dies sollte sich auch auf dem Weg nach Manchester zum wunderbaren KAO-Campground fortsetzen. Im dichten Nebel ging es auf einem Autofreien Trail erst nach Fort Bragg, vorbei am letzten Fahrradladen vor San Francisco und am Saveway-Markt, indem ich mal wieder meine Taschen füllen konnte. Auf dem Weg mit vielem auf und ab kam ich auch durch die Ortschaft Mendocino. Einer kleinem Ort, indem ich zum Lunch 3 Stücke Pizza und 2 Teilchen mit Schlagsahne verschlungen habe um gut gestärkt weiter an der Küste entlang zu radeln.

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Leider passierte 1 Meile vor dem Ziel dann etwas unerwartetes. Der Shifter für die Gangschaltung blockierte plötzlich und mein Rad wurde vom 27- zum 3-Gangrad. Mittels Kabelbinder hob ich den Gang zumindest auf den vierten Ritzel, was mir den letzten Weg über den letzten Berg des Tages ermöglichte. Am nächsten Tag ging es dann per Bus zurück nach Fort Bragg, dort konnte man mit ein wenig Glück den Shifter austauschen. (Shimano ist hier in der Gegend eher unüblich) Ich genoss zur Entschädigung ein lecker Bier der örtlichen Brauerei, ne Pizza und ein dickes Eis und fuhr mit dem Bus wieder zurück nach Manchester, wo mein Zelt und viele bekannte Radler-Gesichter aus den letzten Tagen auf mich warteten.

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Bis San Francisco sind es nun laut Buch noch 2,5 Etappen für die ich noch 4 Tage Zeit habe. Ich werde die Zeit aber nicht vor der Golden Gate Bridge vertrödeln. Wenn alles gut läuft werde ich in Brückennähe einen Tag Pause einlegen, bevor ich dann am 13. über die Golde Gate Bridge ins bereits reservierte Hostel radele.

Achso: Ich fahre 7 Wochen ohne Probleme am Rad durch die Gegend und in der letzten Woche kommt es gleich zu zwei Pannen. Natürlich ist das ärgerlich, aber ganz ehrlich: Lieber so herum als andersrum oder umgekehrt… Ihr könnt euch denken, was ich meine. Also auf geht’s nach San Francisco!


Welcome California – Redwoods

6. September 2011

Von Crescent City nach San Francisco – Teil 1

Nach dem dann erfolgreich gemeisterten und bisher einzigem Motivationstief in Oregon bin ich nun ja zügig nach Kalifornien gekommen. Den auf den letzten Meilen erarbeiteten freien Tag habe ich quasi gleich in den Redwoods eingelöst. Smiley

Die kommenden Tage fallen wenn überhaupt eher durch Höhenmeter, als Streckenlänge auf. Grundsätzlich hatte ich ja meinen Zeitplan nach meinem Radreiseführer ausgerichtet und noch ein paar Tage für San Francisco angehangen. Auch der Ruhetag in den Redwoods war vorher eigentlich schon eingeplant, so dass ich immer noch einen Tag habe um dann vielleicht doch mal im Pazifik baden zu gehen.

Die nächsten Ziele Stand Sonntagabend, 04.09.

  1. Eureka KAO (47)
  2. Burlington Campground (64)
  3. Standish-Hickey State Recreation Area (46) Langsam aber stetig bergauf…
  4. MacKerricher Beach State Park (40) Es geht noch mal 1500 Fuß hoch
  5. Manchester State Park (42) Das Höhenprofil ähnelt einem Kammerflimmern…
  6. Bodega Dunes State Park (66)
  7. Samuel P Taylor State Park (58)
  8. San Francisco (35)

Die ersten Meilen in Kalifornien schlossen an das Abschlussfeuerwerk aus Oregon an. Zunächst ging es abseits vom Highway wieder munter auf und ab am Waldrand entlang bevor es dann einige Meilen durchs Farmland ging.

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Die Küste hatte mich dann spätestens nach Crescent City wieder. Hier gab’s dann auch nach gut 30 Meilen die erste Pause die ich nutzte um in der Touristeninfo vorbei zu schauen, bei Safeway Futter für zwei Tage einzuladen und ein paar Panekakes in mich hinein zu schaufeln.

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Es folgten die Crescent Hills. Drei zum Glück direkt hintereinander folgende Berggipfel über 1000 Fuß deren Summit nach 8 Meilen erreicht war. War es bis eben noch sonnig, zog nun dichter Nebel auf. Die Sicht war aber nie wirklich bedrohlich eingeschränkt, so konnte ich ohne Probleme weiter fahren. Es ist nur saukalt im Nebel! Am Gipfel angekommen fühlte man sich dann wie über den Wolken! Für die Abfahrt hieß es dann Jacke und Armlinge anziehen, Licht an und Brille auf!

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Im Tal wartete dann eine Touristenbude mit Seilbahn durch die Bäume auf mich vergebens. Die letzte Tanke vor meinem heutigen Ziel war leider vor dem letzten Berg! Natürlich kein Grund, die ohnehin schon ausreichend umfänglichen Vorräte noch um ein lecker Feierabend Bierchen aufzustocken. Toll sind auch die kleinen Espresso Stopps an der Straße. Kleine Buden, an denen man eigentlich immer leckeren und günstigen Kaffee und Kuchen bekommt. Dies kombiniert mit einem der leckeren Saveway-Sandwiches und ab ging es auf den Berg!  (Safeway Sandwiches bekommt man an einer lecker duftenden frische Theke im Safeway—Supermarkt nach eigenen Wünschen belegt. Im Gegensatz zu Subway schmecken sie mir tatsächlich gut und ich kann sogar geschmacklich unterscheiden ob Roastbeef oder Hähnchenbrust…)

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Der Weg zur Bergspitze war wieder ein langer. Über mehrere Meilen (4?) ging es aufwärts. Die Straße war kaum befahren. So hatte ich genug Zeit immer wieder die dicken und hohen Bäume zu bestaunen, die immer Dichter wurden. Endlich an der Spitze angekommen, schaltete ich zum ersten mal meinen Mediaplayer auf meinem Smartphone ein und radelte zu “Don’t Stop Me Now!” 5 (gefühlte 50 Meilen) downhill bis in den Campground. Die Aussicht gekoppelt mit der Zufriedenheit und dem Gedanken an das einmal mehr verdiente Feierabendbier trieb mir fast das Wasser in die Augen.

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Am nächsten Tag war Pause angesagt. Ich nahm also mein Radl und fuhr zum Infocenter. Dort stand es gefühlt sicherer, als am vereinsamten Campground. Anschließend ging ich ein wenig durch den Wald spazieren. Einmal rauf auf den Berg, dann zum Strand, durch den Canyon und wieder zurück macht 10 Meilen und knappe 5 Stunden nicht radelnde Beschäftigung. Auch so ein Tag geht schneller vorbei als man gucken kann und so wurde es nach dem Duschen und Essen, Blog-schreiben und Bilder kopieren schon wieder dunkel.ca_web_020ca_web_021

Heute Abend waren übrigens nur 2 andere Radler am Zeltplatz, ein Holländer, den ich schon vorgestern getroffen hatte und ein neues Gesicht aus Deutschland. Gestern waren hier ein paar mehr, vielleicht 10 und neben vielen neuen Gesichtern trifft man doch immer wieder auf Bekannte. Darunter sind Wochenendtouristen, aber auch echte Globetrotter aller Altersschichten. Auch wenn man eigentlich immer die gleichen Geschichten sich erzählt, ist es immer wieder nett aufeinander zu treffen und auszutauschen wie toll doch der letzte Tag gewesen ist.

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Gelegentlich trifft man sich dann auch auf der Strecke, wobei das eigentliche Fahrtempo nicht so unterschiedlich ist. Gern bildet man dann mal eine “Paceline” und erholt sich ein wenig im Windschatten. Dies kann aber auch schief gehen. So versuchte ich einmal mit ein paar Rennradlern mit zu halten, machte sogar selber auch die Pace. Aber nach 2 Meilen mit 19 Meilen/Stunde wollte ich mich wieder hinten einreihen, konnte aber nicht mehr mithalten… Vorher hatte ich fast 10 Meilen mühelos mithalten können. Das Ende vom Lied war ein Espresso-Stop, ein dicker Müsli Riegel, ein guter Schluck Gatorade und weiter ging’s…

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Rauf und runter, hält das munter?

5. September 2011

Teil 2 zur Pazifikküste von Oregon auf dem Weg von Astoria nach Brookings

Nach der kleinen Rundtour am Nehalem Bay – siehe letzter Abschnitt – trieb es mich gleich wieder ins erste Cafe. Mein morgendlicher Hunger bringt mich nun ernsthaft in Zeitverzug. Aber, was soll’s – Lecker war’s! Wie es sich für eine der bekanntesten Küstenstraßen der Welt gehört, gab es auch diesen Tag wieder viel Wasser zu sehen. Nach wie vor übrigens nur an stellen, wo es hin gehört (See, Fluss, Meer, Trinkflasche). Zum Glück ziehen gelegentlich auch mal kühlende Wolken auf, auch Nebel gab es schon, Regen bisher noch nicht. Meine Regenjacke verwende ich also nach wie vor nur als wirksamer Moskitoschutz und als nicht stinkende Windjacke.

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Der Wind kommt übrigens wie bestellt aus westlicher Richtung mit leichter Nord-Tendenz. Spätestens ab Mittag dreht er so richtig auf und lässt den Radler sein Schwerlastvelo in der Ebene auf gut 20 Meilen bringen. Smiley Spaß! So konnte ich mir dann einen Abstecher zum Air-Museum gönnen, welches deutlich weiter entfernt von der Strecke lag als erwartet und mich nun nicht wirklich vom Hocker gehauen hat. Ich hatte gehofft, dass in der Riesigen Halle, die einmal Heimat von großen Zeppelinen gewesen ist, vielleicht eins dieser alten Luftschiffe zu finden war. Aber nein, das Thema Luftschiffe kam nun wirklich zu kurz. Dafür feierte man die tollen Luftwaffe mit all ihren Flugzeugen. Okay, sahen schon nett aus die Oldtimer – aber noch mal würde ich dafür nicht 10 Meilen extra radeln.

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Der Statepark Cape Loockout ist einer der vielen Glanzpunkte meiner Reise. Die Hiker / Biker – Sites lagen direkt an der nicht all zu hohen Düne. Von so manch Zeltplatz konnte man den Pazifik auf seiner Bank hockend sehen. Ich beschloss für mein Abendessen zur Grouparea zu wechseln und hatte so einen Platz in der ersten Reihe als die Sonne sich wie leider so oft vor dem Untergang hinter einem dicken Wolkenband verabschiedete. Bevor es aber soweit war, blieb mir genug Zeit die Aussicht zu genießen und meinen Kartoffel-Topf zu verschlingen.

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Dann ging es weiter nach Beverly Beach. Der Statepark war nun wirklich nichts tolles und dann war die Hiker/Biker-Site auch noch unter einer Stromleitung, fern ab von der Dusche und total uneben. Auch sonst gab es hier nichts tolles. Wer die Tour auch machen will, sollte überlegen die wenigen Meilen zum nächsten Statepark anzugehen.

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Die Strecke dorthin führte entlang von langen Sandstränden, Küstenhängen und enthielt eine schöne einsame Alternativroute zum viel befahrenen Küstenhighway durch dichte Wälder. Diese Strecke teilte ich mit einem anderen Radler und gemeinsam fuhren wir im “Paceline”-Stil Statepark entgegen.

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Im Nebel ging es dann am nächsten morgen ab nach Jessi M Honneman Statepark. Immer weiter ging es meißt die Küste entlang. Der Wind pfiff ganz schön, was insbesondere auf den engen Brücken nicht nur hilfreich war. Abends traf man dann wieder alte und neue Gesichter. Über zehn Radler teilten sich diesmal die deutlich schönere Anlage.

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Langsam macht sich bei mir neben dem ständigen Hunger auch so was wie Müdigkeit breit. Das ständige aud und ab macht sich nervend bemerkbar und wenn dann der Kaffee morgens daneben war ist der Tag schon moralisch schwer zu retten. In 14 Tagen werde ich schon in San Francisco sein. Dieser Gedanke macht einen nicht unbedingt wacher, bedeutet dies doch das Ende meines Radlausflugs. Der Zeitplan für das Finale ist eng, es bleibt ein ganzer Tag Puffer sowie zwei Tage für Sightseeing in San Francisco.

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Der ansteigenden Müdigkeit und dem gefühlten Zeitdruck habe ich dann einen Denkzettel verpasst. Anstatt nach Reiseführer in Sunset Bay zu stoppen oder gar das Hostel in North Bend zu nutzen, habe ich in den Pedale getreten, bis ich über die “Seven Devils” (wohl so eine Art Siebengebirge *g*) kurz vor Bandon im Bullert Statepark angekommen bin. Zwar war der Ritt über die Berge eine ordentliche Kraftanstrengung, aber die habe ich lieber am Nachmittag als zum Frühstück. Der Wind war zudem ein guter Freund und ließ mich bis zum Schluss auf dieser sehr schönen einsamen Strecke nicht im Stich.

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Die Entscheidung war genau die richtige! Und schon Abends am Zeltplatz war ich mir mit ein paar anderen Radlern einig: Morgen geht’s nach Brookings und damit zur kalifornischen Grenze! Laut Reiseführer machte das 94 Meilen – wenn man dann nicht immer direkt dem Highway folgen wollte, sondern auf ruhige Nebenstrecken ausweicht durfte man also schon mal an der 100er Grenze schnuppern.

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Und ich kann euch sagen: Auch dies war eine gute Sache! Zwei Tage mal “ein wenig” anspruchsvoller Unterwegs bedeutet, einen weiteren Tag herausgeholt, den ich dafür nutzen werde mir die Redwoods anzuschauen.

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